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17. Mai 2010, 21:50 Uhr

Interview"Welche Wucht, welche Kraft, welcher Sound"

Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München, hat die Idee vom neuen Stadion geboren, muss die Arena aber noch lieben lernen.

Von Klaus Hoeltzenbein und Ludger Schulze

SZ: Herr Hoeneß, das Werk ist vollbracht, das Stadion steht. Wir werden Sie in Zukunft Marcus Porcius Cato, den Jüngeren, nennen.

Uli Hoeneß: Cato? Ceterum Censeo?

SZ: Den Römer Cato, den Sie vor anderthalb Jahrzehnten gerne zitiert haben. Sie verkündeten damals, Zitat: "Ich kann nur immer wieder wie der alte Cato sagen: ,Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Karthago zerstört werden muss'. Und das werde ich Ihnen in den nächsten Jahren jeden Tag sagen: ,Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der FC Bayern ein anderes Stadion braucht'."

Hoeneß: Wann war das?

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SZ: Im Dezember 1989.

Hoeneß: Ach, ehrlich. Vor 16 Jahren.

SZ: Und jetzt schwärmen Sie doch einmal. Aber vielleicht etwas phantasievoller als nur: Dieses ist das schönste, größte und mächtigste Stadion der Welt.

Hoeneß: Kann ich nicht. Ganz ehrlich: Ich bin nicht so euphorisch wie die meisten Leute. Ich versuche, die Liebe zu diesem Stadion erst zu entdecken. Ich bin erst einmal total erleichtert, dass es fertig ist, dass die Baukosten konstant geblieben sind. Wir waren ja alle müde, alle kaputt.

Ich finde das alles toll, aber mir geht's ein bisschen wie beim Einkauf: Wenn ich eine Hose kaufe und ein paar Schuhe, ziehe ich die zunächst wochenlang nicht an. Viel später erst hole ich sie aus dem Regal, und erst im Laufe der Zeit freue ich mich darüber. Ähnlich ist es mit der Allianz-Arena. Jetzt werde ich dieses Stadion lieben lernen. Und am Ende, vielleicht in drei, vielleicht in sechs Monaten...

SZ: ...mit den großen Spielen...

Hoeneß: ...wird das große Gefühl schon kommen. Ich bin ja auch keiner, der jeden Tag dort rausgefahren ist. Ich war überhaupt noch nicht so richtig da. Jetzt erst, beim Test mit den Prominententeams, da habe ich mich mit meiner Familie auf den Parkplatz gestellt und zugeschaut wie das Licht an und aus geht. Und war total überrascht, dass das von Weiss auf Rot auf Blau in zehn Sekunden geht.

Wahnsinn. Auch die Farben, unser Rot und das Blau der Sechziger, sind so gut getroffen. Wenn ich vorher da war, war das noch die Baustelle, da habe ich mich nicht richtig wohl gefühlt. Jetzt aber, da es fertig ist, werde ich mir das Stadion Schritt für Schritt erobern. Im Augenblick sind da noch zu viele Sorgen drin. Die Straßen. Der Rasen. Als da beim Testspiel einer einen Haken machte und dabei zwei Fetzen aus dem Rasen flogen, ist mir fast das Herz stehen geblieben.

SZ: Es gibt ja schon Sammelbegriffe für die Architektur: Schlauchboot, Tupperware-Box oder Neuschwanstein des Nordens. Gefällt Ihnen einer davon?

Hoeneß: Auch da habe ich für mich noch nichts entdeckt. Ich bin kein Experte in Architektur, vielleicht werde ich mich deshalb über die Akustik nähern. Ich war schon überrascht von der guten Stimmung beim Test mit den 30000Zuschauern. Wenn aber erst die Nationalelf, die Bundesliga, wenn Real und Juventus kommen, wenn die Wucht dieser Atmosphäre wirkt, werden wir uns erst wundern, was da für ein Krach, ein Sound drin ist. Da geht nichts übers Dach, da verpufft nichts wie beim Olympiastadion.

SZ: Und die Bayern werden, stimuliert durch die Energieströme von den Tribünen, im nächsten Jahr mit 25 Punkten Vorsprung Meister?

Hoeneß: Die Atmosphäre kann zunächst ja auch ein Nachteil sein. Fühlen sich die Spieler durch die Kulisse plötzlich gezwungen, ständig nach vorne zu spielen, wenn ein Quer- oder Rückpass angebracht wäre? Kommt dieser Lärm auch, lähmt er gar, sobald einer einen Fehler macht? Dieses Grummeln haben die Spieler im Olympiastadion ja oft gar nicht mitgekriegt.

SZ: Aber das wollten Sie doch: Diese Wucht, die Intensität, diese unverwechselbare Heim-Atmosphäre.

Hoeneß: Absolut. Wir wollten ein Stadion bauen, das im gleichen Atemzug genannt wird mit Old Trafford, mit Camp Nou, mit Bernabéu, Meazza, Maracanã. Dort kriegst du eine Gänsehaut. Ich habe nie einen Fußballer gehört, der gesagt hat, mein Traum ist es, im Münchner Olympiastadion zu spielen. Mir war immer klar, dass wir ein reines Fußballstadion haben müssen, wenn wir zu den ganz großen Klubs der Welt gehören wollen. Mit einem Leichtathletikstadion bist du als Fußballverein immer leicht beschädigt. Wir müssen ja im Nachhinein dem Professor Behnisch aufs Höchste dankbar sein.

SZ: Dafür, dass er damals seine eigene Planung umgeworfen hat?

"Welche Wucht, welche Kraft, welcher Sound" 

Hoeneß: Dass er am Ende seine Sturheit durchgesetzt hat, das Olympiastadion doch nicht zu verändern. Er hat halt nicht erkannt, dass wir nichts mehr davon haben, dass 1972 hier Olympische Spiele stattgefunden haben. Wir haben das alle gewürdigt, dass das Gelände für diese Spiele genial war. Aber man muss an die Zukunft denken, und die Zukunft des Profi-Fußballs konnte nicht mehr in einem Leichtathletikstadion sein. Ein Umbau wäre ein Kompromiss geworden, den wir mitgetragen hätten, aber nur mit sehr großen Magenschmerzen.

SZ: Günter Behnisch hatte zunächst einem Umbau zugestimmt.

Hoeneß: Ich werde diesen Tag nie vergessen, an dem Oberbürgermeister Ude und Behnisch das neue, umgebaute Olympiastadion vorstellen wollten. Da war eine Riesen-Pressekonferenz, und der Ude sitzt oben und denkt, jetzt stellt der sein Modell vor. ,So, Herr Professor, könnten Sie uns bitte Ihre Pläne erläutern', hat Ude eröffnet, und dann hat Behnisch gesagt: ,Meine Damen und Herren, ich muss Ihnen leider sagen: Es geht nicht!'

Und die haben gedacht: Ist heute der 1.April? Am nächsten Tag sagte mir der Ude: Jetzt habt ihr die volle Unterstützung von mir und der Stadt. Vorher gab's keinen einzigen Standort, plötzlich waren es 25 mögliche und fünf gute. Wir wollten das neue Stadion ja zunächst auch auf dem Olympiagelände bauen, aber aus heutiger Sicht muss ich sagen: perfekter neuer Standort. Da muss man dem Behnisch wirklich dankbar sein. Nur muss ich leider sagen, seine Kommentare jetzt, die sind von großem Altersstarrsinn geprägt.

SZ: Jetzt ist die Kritik von Behnisch ja eine sehr konkrete. Er sagt, Zitat: ,Die Bauherren wollten die Zuschauer ans Feld rücken, doch mit dieser Nähe verstärkt man nicht nur Emotionen, sondern vielleicht auch Aggression.'

Hoeneß: In dem Stadion wird es nicht mehr Aggression geben als im Olympiastadion, und da gab es fast keine. Es soll von den Rängen mehr Einfluss auf die Spieler genommen werden, das war unser Wunsch. Ein Spieler will inspiriert werden von den Fans, er will die Unterstützung spüren. Der Druck ist hoch, keine Frage, aber ich glaube nicht, dass du daran zerbrechen musst.

SZ: Aber man könnte daran zerbrechen, das ist ein maßgeblicher Unterschied zum Olympiastadion.

Hoeneß: Ich möchte dem Herrn Professor nicht zu nahe treten, aber er hat überhaupt nicht erkannt, bei aller Würdigung seines Kunstwerks, dass dieses neue Ding eben ein Kunstwerk der Neuzeit ist. Die Zyklen, in denen solche Entscheidungen zu treffen sind, werden einfach kürzer. In Amerika passiert es, dass solche jetzt gebauten Stadien nach zehn Jahren gesprengt werden. Weil Neues verlangt wird, Neues gebaut werden muss. In 30Jahren hat sich die Architektur entwickelt, haben sich die Menschen entwickelt, nur er scheint einer zu sein, der sich nicht weiter entwickelt hat. Daran ist das Ganze damals gescheitert.

SZ: Und trotzdem war das Olympiastadion ...

Hoeneß: ... ein Glücksfall ...

SZ: ... eine Goldgrube, in der der FCBayern reich und berühmt wurde. 1972 sind Sie dort eingezogen, beneidet von der Konkurrenz. Nun muss es schmerzhaft für einen Architekten sein, der ein Symbol für die Republik geschaffen hat, für den demokratischen Aufschwung Deutschlands, dass dieses als Symbol plötzlich nicht mehr viel wert sein soll.

Hoeneß: Von Symbolen kann ich keine Fußballmannschaft bezahlen. Und wenn in dem Symbol, bei zehn Grad minus, die Zuschauer nicht mehr kommen oder am nächsten Tag krank sind, nützt es mir auch nichts. Wir haben uns ja fast immer wohl gefühlt, wie zuletzt, beim Abschiedsspiel gegen Nürnberg, schönstes Wetter, 63000 da, doch jedes Mal, wenn im November, im Dezember der Schnee reinfiel und auf der Gegengerade die Leute froren, hast du immer gesagt: So geht's nicht weiter. Und am Ende habe ich gar nichts, keine gescheite Fußballmannschaft und kein Stadion, das richtig besucht wird. Nur noch ein Museum.

SZ: Hatten Sie schlaflose Nächte in der Zeit, in der das Stadion gebaut wurde?

Hoeneß: Besonders als Fritz Scherer (Geschäftsführer der Stadion-GmbH für den FC Bayern; d. Red.) krank wurde und vier Wochen später der Skandal um den jungen Wildmoser (Geschäftsführer für 1860; d. Red) aufgedeckt wurde und wir praktisch führungslos wurden. Ich werd's nie vergessen: Wir waren auf dem Flughafen zum Champions-League-Spiel bei Real Madrid. Dann kam ein Anruf von der Staatsanwaltschaft, die bei uns im Büro war und drohte: Wenn nicht einer von uns gleich da ist, werden sie verhindern, dass wir fliegen.

SZ: Bei der Dimension der Wildmoser-Affäre, der Schmiergeld-Affäre, wundert es fast, dass der Bau pünktlich fertig wurde.

Hoeneß: Da muss ich ewig dankbar sein. Zum einem Peter Kerspe, zum anderen Bernd Rauch, die bereit waren, die Geschäftsführung zu übernehmen. Rückblickend war das pures Glück: dass wir in der Phase der größten Krise zwei fähige Leute fanden, Kerspe für den kaufmännischen Bereich, Rauch für den baulichen. Aus einem Malus ist ein Bonus geworden. Zumal wir, was am Wichtigsten war, die Sechziger überzeugen konnten, dass sie uns vertrauen, dass die Geschäftsführung praktisch von den Bayern kommt. Dass man nicht wochenlang rumgestritten hat.

SZ: Von ihnen stammt das Zitat: Der Partner ist da, findet aber nicht statt.

Hoeneß: Das ist nicht mehr aktuell, das habe ich nur für jene Phase gemeint, in der wir die Finanzierung gemacht haben. Das war halt alles sehr speziell mit diesem Vorfall um die Wildmosers. Der war im Frühjahr 2004, im Herbst 2004kam dazu die Frage: Steigt 1860 in die dritte Liga ab? Das wäre der Gau gewesen. Der Verein fand als Partner einfach nicht statt, weil er mit sich selbst so viel zu tun hatte.

SZ: Nun ist er eine Art Untermieter, Juniorpartner. Auf ewig?

Hoeneß: Kommt nur auf sie an. Dieses Stadion ist ihre Chance auf eine neue Heimat. Anders als das, was sie vorher gemacht haben: rein in die Kartoffel, raus aus der Kartoffel. Grünwalder Stadion, Olympiastadion und zurück, Grünwalder, Olympiastadion, Grünwalder. Sie wollten wie wir ein reines Fußballstadion, das haben sie bekommen.

Sobald sie wieder in der ersten Liga spielen, kann kein Sechziger, nicht einmal der größte Traditionalist, sagen: Die Alternative ist das Grünwalder. Dort geht keine Bundesliga. Dort hatten sie einen Schnitt von 18.000, aber ohne große Einnahmen aus Sponsoring oder Business-Betreuung. Jetzt werden sie, defensiv geschätzt, sofort einen von 25.000 bis 40.000 haben.

SZ: Da treibt das Publikum die Neugier. Das Stadion aber, hat Franz Beckenbauer betont, sei nicht für die zweite Liga gebaut, sondern für Klubs wie Real Madrid.

Hoeneß: Mittelfristig helfen uns die Sechziger nur, wenn sie eine feste Größe in der ersten Liga werden. Jetzt haben sie sich erst einmal sportlich stabilisiert, auch wenn sie nicht aufgestiegen sind, aber das ist vielleicht sogar gesünder. So können sie etwas Geld ausgeben für neue Spieler, den Stadion-Boom nutzen und nächstes Jahr als starker Aufsteiger zurückkehren.

SZ: Beim Testspiel riefen die Bayern-Fans: ,Ihr seid hier niemals zu Hause'.

Hoeneß: Ich glaube, dass sich die Sechziger wohl fühlen werden. Gerade in der Phase, in der sie sehr viel mit sich selbst zu tun hatten, haben sie festgestellt, dass wir die Situation nie ausgenutzt haben. Wir haben immer hohen Respekt davor gehabt, dass die Stadt uns klar gesagt hat: entweder mit Sechzig oder kein Stadion. Ich habe mich später sehr gewundert über die eine oder andere Aussage von Wildmoser senior, der immer wieder sagte: Die sollen aufpassen, dass sie nicht über den Tisch gezogen werden. Jetzt betont Karl Auer, sein Nachfolger, mir gegenüber bei jeder Gelegenheit: Danke für die faire Behandlung.

SZ: Der Unterschied ist wohl die Perspektive. 1860 strebt zum Aufstieg, die Bayern zum Gewinn der Champions League. Gerade erst haben Sie bei der Meisterehrung auf dem Marienplatz den Fans versprochen: "Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr mit einem anderen Titel hier stehen werden. Das wird die Herausforderung fürs nächste Jahr sein."

Hoeneß: Ich lege sehr viel Wert darauf, dass ich da präzise zitiert werde. Ich habe gesagt: "Ich hoffe ...", und nicht: "Ich verspreche Euch..." oder "Wir werden...". Man kann im Fußall nichts versprechen. Ich kann mich an Jupp Heynckes erinnern, der mal vom Rathausbalkon herunter rief: ,Und nächstes Jahr bringen wir euch den Europacup!' Daraus sind sehr große Probleme für ihn entstanden. Heute haben wir ein Super-Stadion, 14 Punkte Vorsprung in der Liga, dann kannst du den Fans doch nicht zurufen: Im Übrigen ist unser Ziel fürs nächste Jahr die Qualifikation für die Champions League! Die holen dich von der Bühne runter.

SZ: Bei allem sportlichen Ehrgeiz, Sie sind 53, seit 27 Jahren Manager des FC Bayern. Stimmen Sie sich nicht langsam auf den Ruhestand ein?

Hoeneß: Ich spüre in der Tat in mir, dass eine gewisse Ruhe kommt. Dieses hektische Hinterherhecheln ist nicht mehr da - denn wenn das schief gegangen wäre mit dem Stadion, hätte das auch mich persönlich stark beschädigt. Erst im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, welches Risiko wir da auf uns geladen haben, als wir sagten, wir, die Vereine, finanzieren das Stadion selbst. Wir mussten ja völlig neue Dinge machen. Ich hatte in meinem Leben nie eine Kredit-Abteilung betreten. Das sind ja ganz andere Menschen als die, die die Festgelder verwalten.

SZ: Dort waren Sie zuvor Stammgast.

Hoeneß: Dort gehen wir auch wieder hin, jetzt, nachdem in dieser Woche endgültig die Finanzierung für das Stadion unterzeichnet wurde. Der Verein, der FC Bayern, bekommt jetzt jene 75 Millionen Euro zurück, die er der Stadion GmbH geliehen hatte. Plus Zinsen...

SZ: ... und dann beläuft sich das Vereinsvermögen wieder ungefähr auf jene 127Millionen Euro, die Sie öffentlich schon genannt haben?

Hoeneß: An freien Mitteln, inklusive jene eine Million Telekom-Aktien, die ja auch einen Wert von etwa 15 Millionen haben. Demnächst werden wir uns überlegen, wie wir dieses Geld anlegen und mehren können.

SZ: Was macht ein Fußballklub mit einem solchen Geldberg? Tag für Tag hineinspringen wie Dagobert Duck?

Hoeneß: Es kann ja auch mal schlechter gehen. Angenommen, Oliver Kahn verletzt sich schwer, und kurz darauf Michael Rensing. Dann müssen wir vielleicht für zehn, fünfzehn Millionen einen neuen Torwart kaufen.

SZ: Die 127 Millionen sind das, was ein guter Unternehmer seine Rücklagen nennt?

Hoeneß: Genau. Das ist dasselbe wie in meiner Wurstfabrik. Wenn ich eine Maschine für zwei Millionen Euro kaufe, gehe ich eben nicht in die Kreditabteilung und bettle. Und wenn wir einen Spieler für acht, neun Millionen kaufen, haben wir eben nicht mehr 127, sondern nur noch 118. Ist dann irgendwann der Super-super-Spieler zu haben, kostet 25 Millionen, nimmt man das Geld aus den Rücklagen. So stelle ich mir eine funktionierende, flexible Firma vor.

SZ: In absehbarer Zeit wollen Sie dieses Transaktionen nur noch beaufsichtigen. Sie suchen einen Nachfolger als Manager und streben selbst ins Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Bayern AG, das derzeit Franz Beckenbauer inne hat. Der wiederum will sich 2007 in München zum Präsidenten des europäischen Verbandes Uefa wählen lassen.

Hoeneß: Unser Zeitplan ist eng. Schon Ende 2005 sind die Entscheidungen zu treffen. Die Uefa-Wahl von Franz wäre Anfang 2007, seine Amtszeit bei Bayern endet im November 2006. Für mich wäre es ausgeschlossen, jemandem von außen den Aufsichtsrat zu überlassen. Das muss schon einer von uns machen, und da Karl-Heinz (Rummenigge; die Red.) im Vorstand der AG bleibt ...

SZ: ... fehlt nur noch ein neuer Manager. Oliver Kahn, der einst vorgesehen war, wird es nicht.

Hoeneß: Er hat ja schon gesagt, dass er bis 2008 spielen will und dann, so seine Worte, will er erst einmal eine Auszeit nehmen. So wie ich den Job mache, kann den in Zukunft ohnehin keiner mehr machen. Wir werden das Manageramt teilen müssen, für einen sportlichen und einen finanziellen Experten.

SZ: Mit der Bestallung Ihrer Nachfolger wäre das Lebenswerk abgerundet?

Hoeneß: Dann ist das Gesamtkunstwerk, das ich immer im Hinterkopf hatte, vollbracht. Worauf ich am meisten stolz bin, ist, dass der FC Bayern jedes Jahr Gewinne ausweist. Wir haben uns unter den fünf besten Mannschaften Europas etabliert, und von diesen Vereinen sind wir, behaupte ich mal, mit Abstand der solideste. Denn unser Konkurrent auf Platz eins, Manchester United, ist gerade dabei, abzudriften, weil sie einem Finanzjongleur aufgesessen sind, der nur seinen Vorteil sieht. Mein Bauch sagt: Katastrophe. Ich wollte, dass der FC Bayern zu einem Vorbild von Seriosität, Solidität und Erfolgsstreben wird. Und ich wollte dazu beitragen, dass unsere Fans eine Heimat haben.


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