20100825 merkur interview: Ja, ich will Kapitän bl

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Aktualisiert: 25.08.10 21:25

Lahm: „Ja, ich will Kapitän bleiben“

München - Im letzten Herbst sorgte Philipp Lahm noch für Aufruhr beim FC Bayern, als er in einem Interview harsche Kritik an der Führungsetage übte. Nun will er seinen Vertrag sogar verlängern. „Wir haben jetzt eine Basis, um langfristig Erfolg haben zu können", sagt der 26-Jährige.

-Herr Lahm, die neue Champions-League-Saison wird ausgelost. Zittert Europa vor dem FC Bayern?

Das weiß ich nicht. Aber ich glaube schon, dass wir dieses Mal zu den Favoriten zählen.

-Wie viel Glück war denn letztes Jahr im Spiel?

Es war sehr wenig Pech dabei - vielleicht ist es besser so ausgedrückt (lächelt). Aber jetzt haben wir die Basis, eine Idee, wie wir spielen wollen. Und man hat gesehen, dass wir sehr weit kommen können. Dabei hatten wir keine einfachen Gegner. Also haben wir dieses Jahr die Chance, ganz oben mitzuspielen.

-Jose Mourinho sagt, die Philosophie eines Trainers greift erst im zweiten Jahr so richtig. Louis van Gaal geht ins zweite Jahr - ist der FC Bayern stärker als in der letzten Saison?

Davon gehe ich aus. Wir haben ein Jahr van Gaals Ideen gelernt und hatten Zeit, uns noch weiter zu entwickeln.

-Zudem steht Franck Ribery zur Verfügung . . .

Ja, er ist sehr wichtig, weil er ein Weltklasse-Spieler ist. Es gibt nun mit Arjen Robben ein Gleichgewicht. Wir sind auf beiden Seiten sehr gefährlich in 1-gegen-1-Situationen.

-Der Verein verzichtete auf teure Zukäufe - eine richtige Entscheidung?

Wir haben uns verstärkt, weil wir Toni Kroos und Breno zurückgeholt haben. Ansonsten muss man erst einmal Spieler finden, die uns auch wirklich weiterhelfen. Ich kann absolut verstehen, dass man so gehandelt hat. Man sieht, die Mannschaft hat große Qualität. Man braucht auf vielen Positionen Spieler auf Topniveau - und das haben wir im Moment. Ein neuer Transfer muss auch immer einschlagen und besser sein als die, die da sind. Das ist nicht so leicht.

-Die Verteidigung ist sehr jung - reicht das für internationale Top-Klasse?

Das wird man erst in diesem Jahr sehen. Diego Contento macht seine erste richtige Saison als Stammkraft, und bisher macht er es sehr gut. Holger Badstuber hat jetzt ein Jahr lang bewiesen, dass er es kann. Er hat häufig als linker Verteidiger gespielt, ich sehe ihn aber klar als Innenverteidiger - und da hat er auch seine besten Spiele gemacht . . .

- . . . was uns zu einem schwierigen Thema bringt: Martin Demichelis wollte sich gegen Wolfsburg nicht auf die Bank setzen. Wie sehen Sie diese Situation?

Trainer und Spieler haben entschieden, dass es für Martin besser ist, mehr Zeit zu haben, um über die neue Konstellation nachzudenken. So ist der Entschluss gefallen, dass er zu Hause bleibt.

-Also war es keine strikte Weigerung des Spielers?

Nein. Martin war ja auch einen Tag später ganz normal im Training, auch beim Fototermin in Ingolstadt. Das Verhältnis Spieler und Trainer ist also absolut in Ordnung.

-Hat Demichelis noch eine Zukunft bei Bayern?

Martin ist ein argentinischer Nationalspieler, und bei einer Topmannschaft ist es einfach so, dass man auch Top-Spieler auf der Bank braucht. Egal, wer bei uns spielt, man weiß: Vier, fünf oder sechs Spieler sitzen auf der Bank, die hochwertig sind und die Qualität hätten, um bei jeder anderen Bundesligamannschaft zu spielen. Aber jeder bekommt hier immer seine Chance und wird spielen.

-Würden Sie sich wünschen, dass er bleibt?

Ja. Ich kenne ihn schon lang, spiele schon lang mit ihm zusammen und komme sehr gut mit ihm aus. Und nebenbei, weil er auch Schafkopf spielen kann (lacht).

-Aber ist sein Verhalten in gewissem Sinne nicht unkameradschaftlich?

Nein. Ich denke, dass es für Martin einfach schwer war, weil er immer gespielt hat. Als der Trainer ihm gesagt hat, dass er nicht von Anfang an dabei ist, brauchte er einfach Zeit, um das zu verinnerlichen. Der Trainer sagt: Jeder muss irgendwann seine Rolle innerhalb der Mannschaft akzeptieren. Es gibt Spieler, die unzufrieden sind, es aber akzeptieren müssen, wenn sie nicht spielen. Dann müssen sie weitertrainieren für die Mannschaft - und wenn sie reinkommen, ihre Leistung bringen. Das gehört dazu, gerade bei einem Top-Verein.

-Sollte er Bayern verlassen, muss man dann personell noch mal nachlegen?

Man hat ja noch Breno, der zurückkommt und sicherlich ein Top-Spieler ist. Ansonsten weiß es der Trainer sicher besser. Er kann immer experimentieren, hat im Training oft andere Spieler als Innenverteidiger aufgestellt. Deswegen haben wir die Möglichkeit, das zu überbrücken, bis Breno zu 100 Prozent fit ist.

-Am Freitag gibt Bundestrainer Jogi Löw die Nominierung für die nächsten Länderspiele bekannt. Erwarten Sie auch eine Entscheidung in der Kapitänsfrage, in der Sie Michael Ballack gegenüberstehen?

Ich erwarte eine ganz normale Nominierung. Ich werde mich auch nie in Sachen des Trainers einmischen.

-Gab es zuletzt ein Gespräch mit Löw?

Nein.

-Und mit Ballack?

Nein. Da sehe ich keine Veranlassung. Werden wir beide nominiert, sehen wir weiter.

-Wie sehen Sie denn insgesamt die Debatte um das Amt des DFB-Kapitäns? Das Thema wird ja schon sehr intensiv diskutiert . . .

Das gehört zum Fußball dazu. Es ist klar, dass nun so viel berichtet wird. Man muss ja auch das Ganze sehen: Es gab eine WM, bei der der Kapitän verletzt war. Die Mannschaft hat aber gut gespielt. Da wird sowieso schon diskutiert. Dann sage ich noch, dass ich gerne Kapitän bleiben will, dann wird noch mehr darüber gesprochen. Das ist ganz normal im Fußball: Jeder muss um seinen Platz kämpfen.

-Wie soll es nun weitergehen? Hatten Sie daran gedacht, sich mit Ballack zusammen zu setzen und die Sache zu klären?

Es gibt für mich nichts zu klären. Der Bundestrainer wird bekanntgeben, wer Kapitän ist - und wer nicht.

-Aber Sie würden es gerne bleiben wollen.

Meine Meinung ist noch immer dieselbe wie vor sechs Wochen: Ja.

-Ist es denn nicht in gewisser Weise unangenehm, nun so einen Streit herbeigerufen zu haben?

Ich habe überhaupt keinen Streit herbeigerufen. Es war damals eine einfache Frage, ob ich gerne Kapitän bleiben wollen würde. Und ich habe eine einfache Antwort darauf gegeben. Das ist im Sport so.

-Die besten Freunde werden Sie und Ballack nun nicht mehr werden.

Ich weiß nicht, ob Michael ein Problem hat. Ich habe keines. Wenn er Kapitän wird, ändert sich für mich nichts.

-Kann er denn nominiert werden, ohne weiterhin Kapitän zu sein?

Das muss man den Trainer fragen. Nicht mein Thema.

Interview: Andreas Werner


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