201509 bunte interview: Bayern gibt mir Kraft

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PHILIPP Lahm ist ein gefeierter Fußballstar und für viele ein Idol. In seiner Freizeit engagiert er sich sozial und baut sich sein Leben für die Zeit nach der aktiven Fußballerlaufbahn auf. BUNTE traf ihn zum Interview und fragte nach seinen Zielen


Pünktlich auf die Minute, zwischen zwei Trainingseinheiten, betritt Philipp Lahm, Kapitän des FC Bayern, das Agenturgebäude seines Managements im Herzen von München. Schmunzelnd und gut gelaunt machen wir uns auf den Weg zum Fotoshooting an der Isar. Lahm in schwarzer Jeans und weißem T-Shirt, lässigen Sneakers. Der 31-Jährige ist gefragter denn je – ein Fußballstar, ein sozialaktiver Familienvater und seit Kurzem ein engagierter Unternehmer. 2018 wird Lahm seine aktive Karriere beenden. Im BUNTE-Interview spricht er über Werte, seine Zukunft und kleine Schwächen.

Herr Lahm, Sie engagieren sich nur für Projekte, die Ihren Werten entsprechen. Welche Werte sind das?

Mein Werteverständnis ist von meiner Familie und meinem Beruf als Teamsportler stark geprägt. Wichtig sind mir deshalb Fairness, ein respektvoller Umgang mit jedem Menschen und Verantwortungsbewusstsein.

Zentrale Themen bei der Auswahl Ihrer Projekte sind offensichtlich Kinder, Jugendliche und insbesondere deren Persönlichkeitsentwicklung. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Nach meinem Südafrika-Besuch im Vorfeld der WM wollte ich etwas auf die Beine stellen, um Kindern zu helfen. Meine Erfahrungen seit der Stiftungsgründung sind sehr positiv. Vor allem in den 2009 gegründeten Philipp Lahm Sommercamps erlebe ich das hautnah.

In den Camps wird nicht unbedingt Fuß-ball gespielt?

Stimmt! Nicht jedes Kind spielt gern Fußball. Kinder dürfen und sollen sich ausprobieren –gerade im Sport.

Was passiert in den Camps?

Die Camps sind für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren und sie sind kostenlos. Die Kinder bekommen Entdeckeraufträge zu den Themen Bewegung, Ernährung und Persönlichkeit. Sie besuchen z.B. einen Bio-Bauernhof, kochen selbst oder bauen ein Labyrinth. Es geht um ein Lernen mit Spaß und durch Ausprobieren.

Sind Sie selbst vor Ort?

Wir haben jetzt 18 Camps veranstaltet. Ich war immer vor Ort. Bis auf wenige Ausnahmen – als mein Sohn Julian geboren wurde, war ich bei meiner Familie.

Wie gehen Sie mit sozialen Unterschieden im Camp um?

Alle Kinder tragen dasselbe Adidas-Trikot. Und ganz ehrlich: Kinder selbst machen, wenn sie allein sind, keine sozialen Unterschiede.

Haben Sie mal überlegt, die Camps deutschlandweit auszubauen?

Ja, das haben wir! Aber das übersteigt meine Kapazitäten. Außerdem: Wo kann man Kindern besser zeigen, wie gesund leben geht, alsin Bayern? (Lacht.)

Zurück zur Ernährung: Wobei wird Philipp Lahm schwach?

Ganz klar bei einer Leberkässemmel.

Süßes?

Schokolade und Gummibärchen. Da kann ich auch nicht immer vorbeigehen. Aber ab und zu ist okay.

Ihr Sohn Julian wird drei Jahre alt. Gibt es zu Hause Süßigkeiten?

Man kann Kindern Süßigkeiten nicht verbieten, genauso wenig wie ein Handy. Sonst grenzt man sie aus. Julian zum Beispiel isst vieles gern roh. Claudia, meine Frau, und ich würden ihn nie zwingen, Gekochtes zu essen, wenn er das nicht mag. Zwang ist keine gute Erziehungsmethode.

Was essen Sie vor einem Spiel?

In der Regel mehr als einen Teller Nudeln. Allerdings sollte ich schon Tage vor dem Spiel drei bis vier Liter trinken. Das fällt mir echt schwer.

Neues Thema: Sie haben sich jetzt wesentlich am oberbayerischen Unternehmen Sixtus beteiligt. Wie füllen Sie Ihre Unternehmerrolle aus?

Über die Jahre wird man als Kapitän natürlich auch in strategische Entscheidungen eingebunden. Das macht mir Spaß. Sixtus-Produkte mit dem typischen Alpenkräuter-Duft kenne ich seit meiner Kindheit. Als die Anfrage kam, habe ich mich näher mit der Firma beschäftigt. Und ich merke, dass genau so ein langfristiges, fußballfernes Projekt zu begleiten mir Freude macht.

Gibt es ein Produkt, das Sie besonders mögen?

Als ich verletzt war, habe ich immer das Sixtus-Fußbad benutzt. Nach acht Wochen Schiene tragen ist die Haut rund um die Narbein Mitleidenschaft gezogen. Da hat mir dieses Produkt wirklich geholfen.

Gibt es mit Philipp Lahm eine neue Strategie für Sixtus?

Wir sind gerade in Abstimmungsprozessen. Wir wollen uns wieder mehr auf den Sportmarkt konzentrieren, die Aufmachung modernisieren sowie die Markenpräsenz deutlich erhöhen.

In jedem Fall bedarf es nach Verletzungen mehr als eines Fußbads. Rehabilitation ist ein zentrales Thema. Sind die Reha-Zeiten unter dem steigenden Leistungsdruck ausreichend?

Ein Kreuzbandriss dauert drei Monate. Umdann wieder richtig fit zu werden, dauert es nochmal so lange. Ich habe nach meinem Fußbruch sicherlich wieder zu früh gespielt, aber es war nicht anders möglich, da viele von uns verletzt waren.

Sie haben auch im Medical Park St. Hubertus in Bad Wiessee Reha-Maßnahmen wahrgenommen. Warum dort?

Das hatte vor allem zwei Gründe: Der dortige Therapieleiter, Knut Stamer, wurde mir von mehreren Seiten empfohlen. Und wir haben die Winterpause in unserem Haus am Tegernsee verbracht. 

Und wie sah die Therapie aus?

Ich trug noch meine Schiene, als ich die Reha bei Medical Park anfing. Das Aufbautraining bestand vor allem aus Gleichgewichtstraining und Belastbarkeitsübungen. Es ging darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, was 20, 30 oder 50 Prozent Belastung bedeutet, und das dann beim Gehen mit Krücken umzusetzen. Dank der guten Hinweise und Übungen hatte ich danach ein beinahe normales Gangbild – trotz Schiene und Krücken.

Oft wird behauptet, dass das Ambiente einen wesentlichen Einfluss auf den Rehabilitationserfolg hat. Stimmt das?

Top leute sind klar das Wichtigste – in allen Bereichen. Aber man macht ja keine zwölf Stunden Reha. Zwischendurch will ich mich wohlfühlen. Und das geht wohl kaum besser als im Medical Park am Tegernsee. Auf jeden Fall wird man in so einer Umgebung leichter gesund. Vor allem weil das Haus keine Klinik-, sondern Hotelatmosphäre hat.

Prävention ist derzeit in aller Munde – was raten Sie den BUNTE-Lesern?

Sport muss Spaß machen! Sonst führt er zu keinem Erfolg. Ich spiele leidenschaftlich gern Golf und ich habe absolut das Gefühl, das sich mich dabei ausreichend bewege – selbst als Leistungssportler. Und ich glaube an kurze Wege: Wenn ich erst mal eine lange Anfahrtszeit habe, raubt mir das die Motivation. Der Sport muss in den Alltag passen.

Sie unterstützen auch Amateursportler außerhalb des Fußballs. Warum halten Sie die Deutsche Sportlotterie für eine geeignete Institution?

Weil ich weiß, dass ich Glück habe! Dass ich mit meinem Sport sehr viel Geld verdiene und andere Sportler, die genauso viel Zeit und Energie auf ihre Sportart verwenden, eben nicht. Wer aktiv Leistungssport betreibt, braucht einen freien Kopf. Man sollte nicht darüber nachdenken müssen, wie man nächsten Monat seine Miete oder sein Essen bezahlt.

Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich beruflich und privat?

Beruflich möchte ich noch einmal die Champions League gewinnen! Privat: Gesundheit.

Interview: Jenny Levié

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